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Real Life im Netz

Wo ist der netzpolitisch interessierte Wähler zu finden?

Ursula von der Leyen benutzt letzthin gerne ihr 40 Millionen Argument: "Wir haben 40 Millionen Internetnutzer in Deutschland. Die zeitlich befristete Petition gegen den Vorschlag ist von rund 134.000 Nutzern unterzeichnet worden. Diese Relation muss man sehen." Nun ist Frau von der Leyen mehr als hinreichend demagogisch begabt, um selbst zu wissen, dass sich nicht 39,87 Millionen Internet-Nutzer bewußt gegen die Netzsperren-Petition entschieden haben. Wer nichts von der Petition gewußt hat, wird sich keine Meinung gebildet haben und kann infolge dessen auch nicht von Frau von der Leyen als Unterstützer ihrer Position vereinnahmt werden.

Im Netz gibt es aber dennoch den Drang nach draußen "auf die Straße" oder doch zumindest rein in die "klassischen Medien". Der netzpolitisch interessierte Aktivist oder Wahlkämpfer ist auf der Suche nach den verlorenen Unterstützern. Die Ahnung ist vorhanden - es müßten eigentlich mehr sein. Gleichzeitig entspricht es wohl der eigenen Erfahrung, wie wenig auch netzinteressierte und -affine Nutzer "da draußen" und im "Real Life" zum Beispiel etwas von #zensursula mitbekommen haben.

Wer sich über die geschätzte Zahl der deutschen Twitter-Nutzer informiert hat (wohl zwischen 60.000 bis ca. 85.000 Nutzer in D, zwischenzeitlicher Zuwachs nicht berücksichtigt), ahnte bereits wo das Problem liegen könnte. Die dankenswerter Weise bei netzpolitik.org verlinkten Online-Studien von ARD/ZDF befördern hier Erhellendes zu Tage.

Zunächst einmal: der Anteil der kompletten Offliner 2009 liegt bei immerhin noch 32,9%, also 21,34 Millionen Erwachsene (ab 14 Jahre). Rechnet man die potentiellen CDU-Wähler und etatistisch gesonnenen SPD-Wähler als unerreichbar ein, dürfte jede Offline-Kampagne für netzpolitische Themen mit immensen Streuverlusten behaftet sein. Für netzpolitische Themen ist der geeignete Mobilisierungsort - wen wundert es - das Netz selbst.

Sind hier bereits alle Mittel ausgeschöpft? Sind 134.000 Unterzeichner oder 229.000 Wähler der Piraten das Maß aller Dinge?

Nun, wer sich die Nutzung von Web 2.0 Angeboten anschaut stellt vielleicht Überraschendes fest. Laut der Online Studie von ARD/ZDF nutzen Onliner nie, das heisst auch nicht gelegentlich, folgende Dienste:

private Netzwerke / Communities zu 71%
Fotosammlungen / Communities zu 75 %
Weblogs zu 92 %
berufliche Netzwerke / Communities zu 94 %
Lesezeichensammlungen zu 96 %

Wohlgemerkt: die Prozentangaben beziehen sich auf die Nichtnutzung!

Im Klartext bedeuten diese Zahlen zum Beispiel, dass alle Mechanismen der Mobilisierung in der Kampagne gegen #zensursula ungefähr 9 von 10 Internetnutzern überhaupt nicht erreicht haben, weil diese nicht twittern, keine Blogs lesen und auch in einer privaten Community sich womöglich nicht mit politischen Themen beschäftigen wollen.

Die vielleicht etwas erschütternde Wahrheit ist also: 82% der Internet-Nutzer lesen ihre E-Mails und schauen sich Webseiten an (keine Blogs). That's it. Die Blase, in der wir leben, ist nicht das Internet, sondern der Web 2.0 Teil davon (was immer "Web 2.0" konkret bedeuten mag). Und dieser Teil der Internet-Nutzung macht weniger als 10% aus (gerechnet auf die Internet-Nutzer in Deutschland).

Was bedeutet das nun für den Online-Wahlkampf oder die Kampagne gegen Internetsperren und Zensur?

Die positive Nachricht für CDU und SPD zuerst. Der Kampf um die Multiplikatoren im Netz ist verloren, der Internetwahlkampf insofern beendet, bevor er richtig begonnen hat. Wahlgetwitter und die VZ Wahlkampfzentrale zeigen es überdeutlich. Aber, und das ist die gute Nachricht, die wenigsten Internetnutzer haben das bereits mitbekommen.

Was bedeutet das nun aber für einen netzpolitischen Wahlkampf oder Kampagnen von Netzaktivisten? Die gute Nachricht ist hier die gleiche: wohl ca. 90% der Internet-Nutzer dürften hier noch gar nichts mitbekommen haben. Die schlechte Nachricht folgt auf dem Fuße. Diese Internetnutzer sind wahrscheinlich nur über ganz ordinäre Web 1.0 Techniken erreichbar. Also Mailings, Newsletter, SEO kompatible Webseiten und Suchmaschinenmarketing.

Das Real Life ist bereits im Netz, der Straßenwahlkampf wartet.
  • Heiko C. (Gast) - 3. Aug, 22:41

    www.impactsuspect.de

    Hm... obwohl 2 Millionen Wählerstimmen wohl auch nicht zu unterschätzen sind, wird man dann wohl noch 4 Jahre auf vernünftige Netzpolitik warten müssen.

    Ich denke mal bis zur nächsten Wahl sehen die Zahlen schon wieder ganz anders aus.

  • Milo (Gast) - 4. Aug, 17:26

    Das sind wichtige Überlegungen. Die Frage bleibt, wie die ja eigentlich unorganisierten Netzaktivisten Web 1.0-Kampagnen machen sollen.

    Suchmaschinenoptimierung wäre sicher ein Weg.

    Man sollte mal die Bundeszentrale für politische Bildung anschreiben und fragen, ob im Wahl-O-Mat die Piraten auch vertreten sind.

    Am schwierigsten sind jedoch Mailings und Newsletter.Wer möchte schon gerne seine Freunde oder gar beruflichen Kontakte damit zuspammen? Das ist schwierig.

    Hier gibt es noch ein paar mehr Tipps für Netzaktivisten: http://www.blogfuerst.de/2009/06/waffen-der-netzgemeinde-im-wahlkampf/#more-1810

    Natürlich kann man auch mittels Zensursula-Shirt offline Diskussionen provozieren. Ob man damit netzpolitisch bewusste Wählerinnen und Wähler schafft, ist sicher zweifelhaft.

    Im Großen und Ganzen fehlt es dann doch an einer kampagnenfähigen Organisation.

    btw09 - 4. Aug, 17:54

    Freunde oder berufliche Kontakte zuspammen

    Tja, genau da sehe ich auch das Hauptproblem. Wobei: was sicherlich helfen würde wären gute Mailing-Vorlagen. Da macht ja häufig auch der Ton viel aus. Und immerhin möchte ja hier niemand blaue Tabletten verkaufen. Mit dem Thema, dürfte man sicherlich auch schon mal Freunde anmailen (Tenor: "Hier gibt es ein Problem, bitte nimm Dir kurz die Zeit, Dir die Argumenten anzuschauen..."). Und ein Newsletter wäre vergleichsweise unproblematisch, da mit Opt-In der Belästigungsfaktor gering ist.


  • Richter169 (Gast) - 4. Aug, 23:18

    Wo sind die User

    laut meiner Erfahrung gibt es für das Netz erst mal nur eine alternative. Wir müssen unter einen Festen Nick schreiben. Zu einer festen Uhrzeit auf einer bestimmten Seite. Dann finden sich viele Leser mit der Zeit ein.

    Diese Erfahrung habe ich schon öfters gemacht. Besonders wenn man auch über eine breite Themenvielfalt verfügt, zieht es Leser an. Die Beste Zeit für so eine Aktion ist nach 24.00 uhr, da kehrt auf den Foren normal Ruhe ein.

    Auf einer Seite war immer ruhe mit den Lesern. Ich hatte da einige zeit geschrieben, nach den Muster, wurden es aus 10 mal 20, dann 40 und zum schluß waren es 140 Leser.

    Es hat sich aber keiner Angmeldet. Sie kammen jeden Abend. War ich krank und konnte nichts schreiben, brachen die Zahlen ein. Probiert es mal aus.

    Bis dann
    LG von Richter169

    Sun-ray - 4. Aug, 23:26

    Wozu?
    Um Gesetz der Charts zu bestätigen?
    Ist das wichtig?
    Wer sucht, der findet.
    Egal, wann und wo.
    Wer nicht sucht, ist ohne Belang.


  • Milo (Gast) - 5. Aug, 14:13

    @btw09

    Eine Idee hätte ich noch: Man könnte in seinen Mails ein Banner einbauen mit einer Zensursula-Nichtwählen-Botschaft. Dieses Banner steckt man in die Signatur der Mail und jeder, den man anmailt, kann sich das Bildchen ansehen. Natürlich müsste das Bild als Link an eine informative Seite weiterleiten.

    Ich habe allerdings keinerlei Ahnung, wie man so ein Banner oder Bild in eine E-Mail-Signatur einbaut. :-(

    btw09 - 5. Aug, 15:48

    @Milo

    Scheint mir eine brauchbare Idee zu sein, wenn man HTML-Mails verschickt bzw. der Empfänger HTML-Mails liest (es gibt einige, die aus Sicherheitsgründen nur Plain-Text schicken/lesen).

    Der Code ist eigentlich simpel. Ein Beispiel findet man auf

    www.buergerrechte-waehlen.de

    Den dort genannte Code am Ende der HTML-Mail einbinden, fertig. :-) Vom Prinzip her ein taugliches Mittel auch für andere Themen/Inhalte.


  • turbotommi (Gast) - 6. Aug, 18:19

    Gute Analyse

    un deckt sich hiermit: http://bundestagswahl.t-online.de/ bezüglich der Umfrageergebnisse. Vermutlich ist dies die Portalseite der t-online und Startseite in vielen Browsern. Also werden viele 1.0 Nutzer nicht viel weiter "herausschwimmen" Ein paar Ideen habe ich allerdings

    1. Piraten DNS Server bereitstellen (unzensiert) und bei DNS Fehler Werbung schalten. Ich habe schon bei so vielen Leuten die DNS Server vom CCC eingestellt...

    2. Aufklären, neugirig machen. Im Offline Flyerwahlkampf die Leute auf 2.0 neugierig machen. "Wußten sie schon das die Piraten Ihren Kontostand offen auf der Webseite stehen haben?..." "wollten sie schon immer mal wissen was Twitter ist?..."

    Milo (Gast) - 7. Aug, 09:56

    Die unpolitische Blase

    Mir scheint, ein Problem ist der Mangel an Politisierung in der Blase des Web 2.0. Zwar erregt man sich allenthalben über die große Politik. Aber dies ist noch reine Moral. Wirkliche politische Einmischung scheint für viele ein ferner Gedanke zu sein. Zumindest, wenn ich meinen Eindruck aus den Blogs so als Maßstab nehme. Hier finde ich wenig Diskussion über die Möglichkeiten aktiven Eingreifens in das politische Räderwerk. Es wird zu wenig machtpolitisch gedacht. Vorherrschend ist Empörung und Moral. Deshalb und aufgrund der fehlenden Organisation wird es wohl kaum größere Kampagnen geben.


  • btw09 - 7. Aug, 10:25

    unterschiedliche Strategien

    Wie man an den vielfältigen Vorschlägen sieht, scheint es unterschiedliche Strategien zu geben, wie und wo netzpolitische Mobilisierungen erfolgen sollten:

    1. Raus auf die Straße ins sogenannte "Real Life" z.B. über Plakate oder den Umweg über klassische Medien etc. M.E. eine Strategie, die mit zu hohen Streuverlusten und zu hohen Kosten verbunden ist.

    2. Onliner ins Web 2.0 migrieren. Eine langfristige Strategie, die aber bis zur Bundestagswahl nicht mehr in Masse greifen kann.

    3. Bleibt letztlich: Mobilisierung über Web 1.0 Techniken als sinnvolle Alternative, um möglichst viele Netzbürger vor der BTW09 noch zu erreichen.

    Ob und ggf. welche Organisationen solche Kampagnen durchführen könnten ist damit natürlich noch immer offen.

  • btw09 - 7. Aug, 11:26

    Missverständnis

    Malte Welding hat gebloggt und stellt unter der Überschrift Schlacht um die Offliner die Frage: "Wie kommt man an die Leute ran, die keinen Facebookaccount haben, nicht twittern und schon gar nicht bloggen?"

    Darin liegt aber bereits ein Missverständnis. Wer nicht twittert und/oder bloggt ist darum noch kein Offliner. Das scheint uns nur so, weil wir in einer Web 2.0 Blase leben. Das größte Potential besteht aber wohl bei denjenigen, die schlicht Web 1.0 Onliner sind...

  • Aurisa - 14. Aug, 19:40

    Erstaunlich wie wenige Menschen das Web 2.0 nutzen... und dabei sind das ja schon die Zahlen für die ONLINER... d.h. die Zahl der Menschen bei der Gesamtbevölkerung, also OFFLINER mitgerechnet, die das Web 2.o nicht nutzen ist sogar noch deutlich höher!
    Dabei halte ich beispielsweise 8 % Blognutzer schon für sehr optimistisch...
    In Deutschland gibt es ein paar hunderttausend Blogs... keine Ahnung ob es inzwischen mehr als eine Million sind, oder immer noch darunter... aber so in der Größenordnung.
    Das heisst über den Daumen gepeilt wären dann gerade mal so 1 % der Bevölkerung Blogger...
    Noch nicht mal berücksichtigt, daß manche Leute mehrere Blogs haben...
    Noch nicht berücksichtigt, daß die große Masse der Blogs schon lange lange Mausetot ist...
    So gesehen dürften es eher 0,08 % der Bevölkerung sein, die tatsächlich bloggen... ein paar Zehntausend maximal...
    Ok, dazu kommen dann noch mal einige die nur kommentieren, aber nicht selber bloggen, aber trotzdem... die Zahl ist SEHR überschaubar...
    Und wenn das beim Bloggen so ist... dann wird es bei den anderen Anwendungen auch nicht wirklich viel besser aussehen...
    Sprich... die obigen Zahlen für die Web 2.0-Nutzung sind vermutlich noch deutlich zu OPTIMISTISCH.
    Für den Wahlkampf ist das Web in Deutschland also wohl nur sehr sehr beschränkt einsetzbar...

    btw09 - 15. Aug, 13:07

    Die Mittel des Internets gezielt einsetzen

    In der eingeschränkten Reichweite des Web 2.0 stimmen wir überein. Es bleibt die Frage, wie sich die Mittel des Netzes zielgerichtet einsetzen lassen. Alles was mit Web 2.0 zu tun hat richtet sich m.E. an die Early Adopters im Netz - also potentielle Vorreiter und Multiplikatoren. Um in netzpolitischen Fragen ein breiteres Publikum zu erreichen, braucht es Web 1.0 Techniken. Und wer im Netz überhaupt nicht erreichbar ist, dürfte wahrscheinlich auch keine Präferenz für netzpolitische Themen haben.


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